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Trotzphase begleiten

ICH WILL ABER NICHT! – 10 Tipps wie du einen Machtkampf mit deinem Kind vermeiden kannst (Teil 1/2)

Was tun, wenn das Kind nicht das macht, was es soll?

Wer kennt es nicht: Man hat es schon eilig und muss weg, es ist kalt draußen und das Kind will keine Jacke anziehen! Der abendliche Kampf, wenn es ums Zähneputzen geht, oder das Kind will beim Essen einfach nicht sitzenbleiben! Spätestens wenn ein Kind in die Autonomiephase kommt stoßen Eltern oft an ihre Grenzen wissen nicht, wie sie mit solchen Situationen umgehen sollen.

Dann kann es passieren, dass sie in ein Verhalten fallen, dass sie eigentlich gar nicht möchten: sie schreien, drohen oder packen ihr Kind zu fest an.

In diesem und dem darauffolgenden Beitrag (du findest in hier) teile ich insgesamt 10 Tipps mit dir, wie du in herausfordernden Situationen mit deinem Kind reagieren kannst und so einen Machtkampf vermeidest! Außerdem gebe ich dir zu jedem Punkt Beispiele aus meinem Leben, wie ich sie mit meinen Kindern lebe.

Kinder wollen kooperieren!

Wichtig zu wissen ist, dass Kinder grundsätzlich mit uns zusammen-arbeiten wollen! Auch, wenn es manchmal so gar nicht danach aussieht!

Wenn du dir einen ganz normalen Tag mit deinem Kind genauer anschaust, wirst du merken, dass es tatsächlich sehr oft kooperiert, ohne, dass es dir bisher aufgefallen ist:

  • es lässt sich in der Früh waschen, wickeln, anziehen, obwohl es lieber spielen würde
  • es isst sein Frühstück das du ihm gemacht hast, obwohl es lieber herumturnen würde
  • es zieht sich die Schuhe an, obwohl es lieber daheim bleiben würde
  • es lässt sich im Kindersitz anschnallen, obwohl es lieber im Auto spielen würde
  • es geht in den Kindergarten wo es das Spielzeug mit anderen Kindern teilen muss, obwohl es das nicht möchte
  • es akzeptiert, dass du wegfährst, obwohl es lieber bei dir bleiben würde
  • es geht mit dir einkaufen, obwohl das langweilig ist
  • und, und, und

"Ich lass mir doch nicht auf der nase herum tanzen!"

Oft kommt es dann zu einem Machtkampf, weil die Eltern das Gefühl haben sich durchsetzen zu müssen, damit ihnen das Kind nicht „auf der Nase herum tanzt“.

Doch das muss nicht so sein! In diesem Beitrag teile ich die ersten 5 Tipps mit dir, wie du dein Kind dabei unterstützen kannst zu kooperieren, ohne dass die Situation eskaliert. Weitere 5 Tipps bekommst du nächste Woche.

Dann lasst uns mal loslegen!

Die ersten 5 Tipps, um einen Machtkampf mit deinem Kind zu vermeiden

Machtkampf vermeiden

1. Versuche zu erkennen, was dein Kind gerade WIRKLICH braucht

Wie ich oben schon geschrieben habe, kann es mehrere Gründe geben, warum dein Kind gerade nicht kooperieren kann. Versuche herauszufinden was es ist, so kannst du auf das Bedürfnis, das möglicherweise dahinter steckt, eingehen (Essen/Trinken, Pause, Kuscheleinheit, …).

Aus meinem Leben

Bei meinen Kindern merke ich, wenn sie nicht bereit sind zu kooperieren, sind sie mit den Veränderungen, die gerade in ihrem Leben passieren überfordert, haben Hunger oder sind müde. Wenn ich erkenne, was wirklich hinter ihrem Verhalten steckt, kann ich sie besser verstehen und liebevoll auf sie eingehen.

2. Achte darauf, dass DU in deiner Kraft und Energie bist

Aus eigener Erfahrung weiß ich: Bin ich selbst gut bei mir und in meiner Kraft, kann ich mit herausfordernden Situationen mit meinen Kindern viel besser umgehen. Bin ich müde, gestresst oder belastet mich etwas, habe ich auch keine Geduld mit meinen Kindern und ich reagiere genervt und fange zu schimpfen an. Deswegen ist es so wichtig, dass wir Eltern gut auf uns schauen, damit wir auch gut für unsere Kinder da sein können!

Was kannst du tun um in deine Kraft und Energie zu kommen?

Nimm dir regelmäßig Auszeiten bzw. gönne dir eine Pause in der du Kraft tanken kannst.

Das muss nicht gleich ein ganzer Tag sein, fange klein an! Nimm dir 10 Minuten in denen du in Ruhe deinen Kaffee trinken kannst oder in deinem Buch weiterlesen kannst. Achte aber darauf, dass du wirklich etwas machst, wo du dich entspannen kannst! Auf Social Media-Kanälen zu surfen nimmt oft mehr Energie als es gibt.

Manchmal braucht es mehr als nur 10 Minuten

Um sich mal so richtig erholen und entspannen zu können, reichen manchmal 10 Minuten nicht aus. Dann sprich mit deinem Partner und findet gemeinsam eine Lösung, wie ihr euch gegenseitig Me-time verschaffen könnt!

Tu in dieser Zeit wirklich etwas, was dir gut tut! Kein Haushalt, keine Arbeit und am Besten weg von zu Hause, damit du die Kinder nicht hörst und dich niemand stören kann!

Such dir ein Hobby, das du alleine machen kannst, damit du nicht auf eine Freundin oder sonst jemanden angewiesen bist!

Aus meinem Leben

Es gab eine Zeit, da war unser Sohn (2. Kind) noch kein Jahr alt, und mein Mann und ich waren beide schon sehr am Limit! 

Ich brauchte Zeit für mich um wieder Energie zu tanken. Deswegen vereinbarten wir miteinander, dass jedes Wochenende einer von uns beiden einen halben Tag für sich bekommt. Das hieß, an einem Wochenende hatte mein Mann einen halben Tag für sich und das Wochenende drauf ich. An meinen freien Tagen nahm ich einmal an einer schamanischen Wanderung teil und ein oder zwei mal fuhr ich in die Therme.

Wir machten das nicht lange, nur ca. ein Monat lang, weil wir dann immer gemeinsame Familientermine hatten, aber das war egal. Allein an diesen paar Tagen konnte ich wirklich auftanken und war wieder viel ausgeglichener, was sich natürlich direkt auf den Umgang mit meinen Kindern auswirkte!

Selbstfürsorge als Mama

3. Plane genug Zeit ein

Oft haben wir Eltern einen Zeitplan im Kopf, den wir gerne einhalten möchten.
Wir wollen pünktlich zu einem Termin kommen, sind vielleicht schon etwas knapp dran, und dann will sich das Kind nicht anziehen! Das erzeugt Stress – in uns Eltern und auch im Kind! Deswegen ist es wichtig, dass wir genug Zeit einplanen und das Kind darauf vorbereiten was passieren wird.

Meistens ist es so, dass das Kind noch spielt, während sich Mama oder Papa schon fertig machen, damit sie pünktlich los können. Dann kommt der Zeitpunkt, an dem die Eltern weggehen wollen und möchten, dass das Kind aufhört zu spielen und sich anzieht. Wenn das Kind aber bis jetzt nichts davon wusste, dass es weg gehen soll und gerade mitten in einem Spiel ist, wird es in den meisten Fällen nicht sofort aufstehen um sich anzuziehen. Weil Mama/Papa aber ihren Zeitplan im Kopf haben, werden sie ungeduldig und wollen los.

"Mach fertig, wir wollen dann weggehen"

Deswegen ist es wichtig, das Kind darauf vorzubereiten, was passieren wird, indem du ihm sagst, dass es z.B. fertig spielen/malen/turnen (was auch immer) soll, weil ihr dann weggehen wollt. Plane genug Zeit ein und rechne damit, dass dein Kind vielleicht noch etwas mehr Zeit braucht. Denn so wie du deinen Plan im Kopf hast, so hat auch dein Kind einen Plan im Kopf, und zwar einen ganz anderen als du! Oft will es einfach nur in Ruhe fertig spielen und ist dann bereit los zu gehen.

Aus meinem Leben

Wenn ich zu einem bestimmten Zeitpunkt weg will, rechne ich automatisch 15 Minuten dazu, damit wir wirklich pünktlich weg kommen.

Außerdem frage ich meine Tochter, was sie noch braucht damit wir los können. Oft ist das eben noch fertig spielen, etwas fertig machen (malen, basteln) oder etwas einpacken.
Und manchmal noch eine dicke, fette Kuscheleinheit!

Kind will nicht Zähne putzen

4. Werde kreativ

Verwandle das Notwendige in ein Spiel!

Oft sind Alltagstätigkeiten einfach nur langweilig für Kinder und sie verstehen den Sinn dahinter nicht. Der Klassiker: Zähne putzen! Wir Eltern predigen zwar täglich, dass es wichtig ist, damit die Zähne gesund bleiben, aber ein Kind ist dafür nicht empfänglich und kann die Folgen von Nicht-Zähne-Putzen noch nicht abschätzen. Deswegen ist die Kreativität von uns Eltern gefragt, wie wir das Zähne putzen lustig gestalten können!

Aus meinem Leben

Damit meine Kinder abends freiwillig ins Bad gehen, startet bei uns der Badexpress! Wir Eltern machen Zuggeräusche und laden alle Familienmitglieder ein mit uns ins Bad zu fahren. Funktioniert bei uns IMMER!

Was uns beim Waschen und Zähneputzen schon oft geholfen hat, war der Kuschelhase „Wuschl“ unserer Tochter. Er hat einfach ALLES falsch gemacht beim Waschen und unsere Tochter hat ihm dann voller Freude gezeigt wie’s richtig geht!

Bei vielen wird auch irgendwann das Wickeln eine große Herausforderung. Wir waren da immer sehr flexibel und wickeln meistens nur mehr im Stehen, während Junior mit seinen Autos spielt! Mit ein bisschen Übung ist das ganz einfach.

Nichts geht mehr!

Wenn alle schon müde sind und gar nichts mehr geht, dann darf bei uns auch mal das Tablet oder Handy helfen. Ich bin zwar kein Fan davon, digitale Medien zu Ablenkung einzusetzen, aber in Notsituationen finde ich es durchaus zulässig um zu vermeiden, dass die Situation eskaliert!

5. Du darfst auch nachgeben

Wie überall lernen unsere Kinder auch hier durch Nachahmung. Deswegen ist es wichtig, dass wir Eltern bereit sind, auch einmal nachzugeben und aus einem „Nein“ auch einmal ein „Ja“ werden darf. Dabei lernen die Kinder, dass man auch einmal seine Meinung ändern kann ohne dabei der „Verlierer“ zu sein.“ 

Wir sagen zu oft "Nein" ohne Nachzudenken

Weil „man“ etwas nicht macht, weil wir uns schwer tun „Ja“ zusagen oder aber auch um einfach „Nein“ zu sagen, damit das Kind lernt, dass es nicht alles haben kann. Wenn dann das Kind zu weinen und zu betteln beginnt, kommt man dann oft in einen Zwiespalt:

„Eigentlich hätte ich auch „Ja“ sagen können, aber jetzt habe ich schon „Nein“ gesagt, da kann ich jetzt nicht mehr zurück!“ DOCH, KANNST DU!

Oft haben Eltern Angst unglaubwürdig zu werden und/oder, dass ihnen das eigene Kind auf der Nase herumtanzt, wenn sie nachgeben. Deswegen glauben sie, dass aus einem bereits ausgesprochenen „Nein“ kein „Ja“ werden kann. So ist es aber nicht! Ganz im Gegenteil:
Wenn wir hin und wieder zu Gunsten unseres Kindes nachgeben oder unsere Meinung ändern, lernt es genau das von uns!

EXTRATIPP: Bevor du das nächste Mal automatisch „Nein“ sagst, halte inne und denke kurz darüber nach, ob du wirklich „Nein“ sagen willst, oder ein „Ja“ auch okay ist.

Aus meinem Leben

Es kommt immer wieder vor, dass mein erster Impuls auf den Wunsch meiner Tochter ein „Nein“ ist.
Wenn ich aber merke, dass es ihr gerade sehr, sehr wichtig ist, denke ich noch einmal darüber nach, WARUM ich nein gesagt habe und wie wichtig mir das gerade ist. Manchmal bleibe ich beim „Nein“ und manchmal darf daraus auch ein „Ja“ werden!

Die Gründe, warum aus meinem “Nein” auch mal ein “Ja” werden darf, sind unterschiedlich: Das kann sein, weil ich zu voreilig „nein“ gesagt habe und ein „Ja“ eigentlich ok für mich ist, weil ich merke, dass es ihr WIRKLICH wichtig ist, oder aber auch, weil ich im Moment keine Nerven und keine Kraft für ihren Gefühlsausbruch habe. Und auch das ist ok! Weil ich es mir auch mal leicht machen darf!

Das Schöne ist:
Unsere Tochter ist durchaus bereit auch mal Kompromisse einzugehen und nachzugeben. Weil wir ihr genau DAS vorleben.

Ich will aber nicht

Fortsetzung folgt ...

Das waren die ersten 5 Tipps, wie du damit umgehen kannst, wenn dein Kind nicht das macht, was es soll. 

In diesem Beitrag teile ich 5 weitere Ratschläge mit dir, wie du einen Machtkampf mit deinem Kind vermeidest.
Außerdem erfährst du, wie du diese 10 Punkte im Alltag anwenden kannst.

Bis bald!

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Ich bin Karin, Familienberaterin, Schlafcoach und selbst Mama von 2 Kindern. Ich unterstütze dich dabei neue Wege zu erholsameren Schlaf und ein entspanntes und harmonisches Miteinander mit deinem Kind zu finden.

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